Für eine proaktive Berufswahl
In Zusammenarbeit mit der Adalbert Raps Stiftung und der Oberfrankenstiftung fördert die Rainer Markgraf Stiftung ein Projekt in Verantwortung von Prof. Dr. Siebert an der Universität Bayreuth. Schülerinnen und Schülern möchte das Projekt neue Perspektiven für die eigene Zukunft eröffnen. Die Rainer Markgraf Stiftung sieht in diesem Projekt einen wichtigen Beitrag für die jungen Generationen unserer Region.
Ein Beitrag von Prof. Dr. Johannes Siebert, Projektleiter
und Dr. Nadine Oeser, Projektkoordination
Bayreuth. Die meisten Entscheidungen, die wir im Alltag treffen, sind Bauchentscheidungen, wie z.B. „Was esse ich heute Abend?“ oder „Welches Buch lese ich als nächstes?“. Es gibt jedoch auch komplexe Entscheidungen, für die es mehr braucht als nur ein gutes Bauchgefühl. Auf der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen junge Menschen vor einer Vielzahl von komplexen Entscheidungen, die sowohl ihren beruflichen als auch privaten Lebensweg stark beeinflussen.
Dass viele junge Menschen Schwierigkeiten mit der Entscheidung „Was mache ich nach meinem Schulabschluss?“ haben, zeigt sich u.a. in den hohen Abbruchquoten in Ausbildung und Studium. So wurden 2015 25 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gekündigt und 28 Prozent aller Bachelorstudierenden beendeten ihr Studium ohne Abschluss. Die Auswirkungen solcher Bildungsentscheidungen sind natürlich für den Einzelnen erheblich und in der Masse zudem auch gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich höchst relevant. Das Ziel des Projektes „KLUG entscheiden!“ der Universität Bayreuth liegt darin, die Qualität von Bildungsentscheidungen junger Menschen durch ein sog. Entscheidungskompetenztraining zu erhöhen. Langfristig sollen dadurch die hohen Abbruchquoten bei Studium und Ausbildung reduziert werden.
Dafür ist es erforderlich, die relevanten Kompetenzen beim Treffen von Entscheidungen zu identifizieren und Workshop-Konzepte zu entwickeln, mithilfe derer diese Kompetenzen unter Berücksichtigung der didaktischen Anforderungen, Ziele und Präferenzen der Zielgruppe bestmöglich vermittelt werden können. Entscheidungskompetenz hilft Menschen dabei, die Konsequenzen ihres Handelns zu überblicken und für sich einen Weg zu finden. Vermittelt wird diese durch Entscheidungsanalyse. Dabei handelt es sich um einen präskriptiven Forschungsansatz, der an der Schnittstelle von Wirtschaftslehre, Psychologie und Mathematik verankert ist und sich damit befasst, wie Menschen bessere Entscheidungen treffen können. Anstatt sich nach dem Zufallsprinzip für die erst- oder zweitbeste Möglichkeit zu entscheiden oder gar zu resignieren und keine Entscheidung zu treffen, wird ein entscheidungskompetenter Mensch eigenständig die Vielzahl an Informationen nach seinen ganz eigenen Prioritäten filtern können und einen Weg einschlagen, der ihn auch langfristig glücklich macht.
In kleinen Pilotprojekten in Kulmbach haben wir erste Erfahrungen bei der Vermittlung von Entscheidungskompetenzen sammeln können. Nun möchten wir enger mit Schulen und den entsprechenden Lehrkräften zusammenarbeiten und ihnen dabei helfen, Schülerinnen und Schüler „entscheidungsfit“ zu machen. Dabei sehen wir uns als Impulsgeber*innen mit der Absicht herauszufinden, welche Ziele die jungen Menschen für ihre Zukunft haben und wie sie diese am besten erreichen. Es ist wichtig, individuelle Potenziale zu erkennen und zu fördern, um Entscheidungen mit Zukunftsfähigkeit proaktiv zu treffen. Wir wollen die Schüler*innen dabei unterstützen, sich selbst zu verwirklichen und ihr Leben aktiv zu gestalten. Letztlich ist es jedoch immer ihre eigene Entscheidung, die sie treffen. Wir sehen uns lediglich als Werkzeug, das sie dazu befähigt, die Weichen selbst zu stellen.
Weitere Infos: www.klugentscheiden.org