Der Geschichtspark Bärnau
Seit 2018 fördert die Rainer Markgraf Stiftung den Geschichtspark Bärnau und finanziert die Museumspädagogik.
Ein Beitrag von Dr. Julia Gräf, Museumspädagogin
Bärnau. Seit 2011 lädt der Geschichtspark Bärnau-Tachov in der Oberpfalz seine Besucher zu einer Zeitreise in das mittelalterliche Leben des 9. bis 14. Jahrhunderts ein. Bei einem Rundgang durchstreifen sie ein frühmittelalterliches slawisches Dorf, erklimmen die imposante Turmhügelburg des 11. Jahrhunderts, erkunden eine hochmittelalterliche Stadt und gelangen schließlich auf die spätmittelalterliche Baustelle einer kaiserlichen Reisestation. Das Besondere an diesem archäologischen Freilandmuseum ist seine Lebendigkeit. Nicht nur kann bei zahlreichen Veranstaltungen im Sommer Darstellern in mittelalterlicher Kleidung bei der Verrichtung von zeitgenössischem Haus- und Handwerk zugesehen werden, unsere Besucher können auch selbst mit anpacken und alte Techniken ausprobieren. Anfassen ist bei uns ausdrücklich erwünscht!
Die rekonstruierten mittelalterlichen Bauten, die Handwerkstechniken und die Lebensweise sind uns in der heutigen Zeit so fremd geworden, dass sie einer fachkundigen Erläuterung bedürfen. Diese Vermittlungsarbeit kann nur durch eine breit aufgestellte Museumspädagogik langfristig sichergestellt werden. Unsere Zielgruppen sind vielfältig. Für Individualbesucher und Familien organisieren wir Thementage und Handwerkerwochen zum Zuschauen und Mitmachen.
Besondere Highlights dieses Jahr waren das Kalkbrennen und das Steintreffen der Wandergesellen. Für Schüler aller Schularten gibt es altersklassenangepasste interaktive Führungen und Mitmachprogramme, in denen z.B. das Feuermachen, Brotbacken, Färben mit Pflanzenfarben, Spinnen oder Bogenschießen ausprobiert werden darf, aber auch Projekttage, mittelalterliche Zeltlager und handwerkliche oder museumspädagogische Praktika. Hervorzuheben ist dabei unser neues Mitmachprogramm für Berufsschulen zum Kennenlernen der mittelalterlichen Handwerkstechniken und damit der Ursprünge unseres heutigen Handwerks auf der Schaubaustelle, bei dem die Kinder selbst Schindeln spalten, Bretter sägen, Mörtel mischen oder mauern dürfen.
Archäologen wissen: man sieht nur, was man kennt. Wenn man genau hinschaut ist uns das Mittelalter dann auch gar nicht mehr so fremd, wir können viel aus unserer Vergangenheit für die Gegenwart lernen. Viele alte Handwerkstechniken sind den modernen in Bezug auf Umweltverträglichkeit, Langlebigkeit und Schönheit deutlich überlegen und haben damit einen großen Nutzen zur Bewältigung der Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft. Dieses Wissen zu bewahren und auch teilweise neu wiederzuentdecken sehen wir als unsere Aufgabe. Ein Wissen, das nicht nur theoretisch in Fachbüchern konserviert wird, sondern von jedem unserer Besucher ausprobiert und weitergegeben werden kann.
Weitere Informationen: www.geschichtspark.de
